FaMi-Award für vier Arbeitgeber in der Region – „Familienfreundlichkeit ist eine Strategie, kein Modethema“

Lüneburg. Motivation, Bindung und Produktivität: Wer sein Unternehmen familienfreundlich aufstellt, kann die positiven Effekte sogar berechnen. Denn die Kosten für Neubesetzungen und Fehlzeiten nehmen ab. Familienbewusstsein ist also nicht nur gesellschaftlich en vouge, sondern es lohnt sich auch. Vier familienbewusste Arbeitgeber haben am Mittwochabend in den Räumen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg einen Preis für ihre Personalpolitik bekommen: den Award der Initiative Familien- (FaMi)-Siegel in Nordostniedersachsen. 

Award 2015
Preisträger Award 2015

Seit fünf Jahren gibt es die Auszeichnung für familienfreundliche Arbeitgeber in der Region, der Award wird alle zwei Jahre an herausragende Träger des Siegels vergeben. Und das sind: die Sparkasse Lüneburg, die Waldklinik Jesteburg Aldag, Elektro Rosin in Uelzen, die Deutsche Management Akademie aus Celle und die Werkhaus Design Produktion Bad Bodenteich. 

In der Kategorie öffentliche Arbeitgeber hat sich die Sparkasse Lüneburg gegen ihre Mitbewerber durchgesetzt – vor allem wegen der an die unterschiedlichen Lebensphasen angepassten Personalentwicklung. Der Vorstandsvorsitzende Karl Reinhold Mai sagte: „Von einer familienbewussten Personalpolitik haben beide Seiten etwas.“ 

Die Deutsche Management Akademie aus Celle hat die Kategorie bis 20 Angestellte gewonnen. Die Jury war besonders angetan davon, dass sich die Geschäftsführung bereits mit dem Thema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf auseinandersetzt, bevor der Bedarf da ist. „Für mich ist das selbstverständlich“, sagte Personalreferentin Carmen Behrmann. „Im Fall der Fälle möchte ich vorbereitet sein und helfen können.“

Sieger der Kategorie 20 bis 100 Angestellte ist der Familienbetrieb Elektro Rosin aus Uelzen. Die Geschäftsführung hat sich Familienfreundlichkeit zum eigenen Qualitätsziel gesetzt und will ihren Mitarbeitern in nahezu allen Lebenslagen beistehen, dazu zählt natürlich auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter sich trauen, mit Problemen und Sorgen zu uns zu kommen“, betonte Geschäftsführer Christoph Rosin. „Wir möchten die nächste Generation an uns binden.“

Mehr als 100 Angestellte zählt die Waldklinik Jesteburg, die mehrere Dutzend Arbeitszeitmodelle anbietet und in jedem Mitarbeitergespräch die Frage stellt, wie die Familienfreundlichkeit weiter verbessert werden könnte. „Die meisten unserer Mütter kommen nach einem Jahr wieder“, sagte Inhaber Dr. Hans-Heinrich Aldag. „Für uns ist es ein Stück weit ganz normal, das Thema zu leben.“

Einen Sonderpreis hat in diesem Jahr erstmals die Firma Werkhaus Design aus Bad Bodenteich bekommen. Der Grund: In beiden bisherigen Aktionszeiträumen des FaMi-Siegels hat der Betrieb jeweils 100 Prozent der möglichen Punkte erreicht – das hat sonst niemand. „Dass unsere Mitarbeiter ein gutes Leben bei uns haben sollen, war von Anfang an unser Ziel“, sagte die Geschäftsleiterin Eva Danneberg.

Die regionale Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers )SPD) betonte, dass die Initiative Familien-Siegel dazu beitrage, dieses Thema politisch zu bearbeiten. „Gleichzeitig zeigen sich die Siegelträger als sehr attraktive Arbeitgeber und genießen ein hohes öffentliches Ansehen.“

Dass es weit mehr ist, was familienfreundlichen Betrieben zugute kommt, belegte Ann Kristin Schneider vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik in Münster in ihrem Impulsvortrag. „Jeder Euro in Familienbewusstsein amortisiert sich in zwei bis drei Jahren. Familienbewusste Personalpolitik ist also auch Investitionspolitik.“ Laut Studien des Instituts berichten familienbewusste Unternehmen von höherer Motivation, Qualität, Produktivität und Kundenbindung sowie im Gegenzug geringerer Stellenbesetzungsdauer, Eigenkündigungen, Krankheits- und Fehlzeitenquoten.

Auf die Trends zur Pflege von Angehörigen, aktiver Vaterschaft, Führungskräften mit Kindern und Generationenvielfalt in Unternehmen könnten Betriebe meist mit einfachen Mitteln antworten – „wichtig ist vor allem, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in die Unternehmenskultur einzubinden“, sagte Schneider. Häufig fehle es bloß an den passenden Informationen. „Familienfreundlichkeit ist eine Strategie – kein Modethema.“

Die Begrüßung hatte Sönke Feldhusen von der IHK übernommen – und passend zum Thema des Abends um Entschuldigung dafür gebeten, dass er die Veranstaltung etwas früher verlassen müsse: Seine Frau war auf Dienstreise und seine Söhne allein zu Hause. „75 Prozent der Bevölkerung sehen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als politische Herausforderung“, sagte Feldhusen. „Die Familie mit berufstätigen Eltern müsste zum Leitbild der Gesellschaft werden.“ Der Mitinitiator des FaMi-Siegels zeigte sich zufrieden mit dem bisher Erreichten: Mehr als 80 Unternehmen tragen die Auszeichnung bereits. „Sie sind Vorbilder für andere und tragen gesellschaftliche Verantwortung.“

FaMi-Siegel-Initiatorin Brigitte Kaminski freute sich darüber, wie „lebendig und ideenreich familienfreundliche Personalpolitik“ in der Region ist, kündigte den Beginn des dritten Aktionszeitraums ab 1. Januar 2016 an und sprach eine Hoffnung aus: „Dass Familienfreundlichkeit nicht konjunkturabhängig ist.“

Die Laudatoren waren die Jury-Mitglieder Prof. Dr. Christiane Söffker, Nikolaus Lemberg und Wiebke Krohn von der Gemeinschaftsinitiative FaMi-Siegel sowie Andrea Schröder-Ehlers für den Sonderpreis. Das Siegel ist eine Aktion von Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg, Überbetrieblicher Verbund Frau und Wirtschaft Lüneburg.Uelzen e.V., Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, Arbeitgeberverband Nordostniedersachsen e.V., Wirtschaftsförderungsgesellschaft Stadt und Landkreis Lüneburg, DGB und Leuphana-Universität.