Harburger Träger des FaMi-Siegels sehen sich als Bewerber um Fachkräfte – zweite Phase der Zertifizierung gestartet

Ehestorf. Die Mitarbeiter sind das größte Kapital Kieckberg Träger FaMiSiegel 2013-2015eines Betriebs und seine Visitenkarte – davon ist der Geschäftsführer des Freilichtmuseums am Kiekeberg überzeugt. Mit seiner Meinung steht Marc von Itter nicht allein in der Region: Immer mehr Firmen aus dem Landkreis Harburg lassen sich per FaMi-Siegel bestätigen, dass sie familienfreundliche Arbeitsbedingungen haben. Jetzt hat die zweite Zertifizierungsphase begonnen.

„Wir als Arbeitgeber bewerben uns auch bei unseren Kandidaten“, sagte Marc von Itter bei einem Treffen zahlreicher Träger des FaMi-Siegels auf dem Gelände des Museums zum Erfahrungsaustausch. „Bei uns funktioniert die Motivation nicht über monetäre Anreize. Wir müssen überzeugende Konzepte für unsere Arbeitnehmer darstellen.“ Dazu gehören vor allem auch Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Welche das sein können, ist von Siegelträger in HarburgBetrieb zu Betrieb ganz unterschiedlich. „Es gibt unzählige individuelle Lösungen“, weiß Brigitte Kaminski von der Gemeinschaftsinitiative, die das FaMi-Siegel im Jahr 2010 gestartet hat. Wer das Siegel trägt, werde von seinen Mitarbeitern entsprechend gefordert, berichtete Udo Blanck von der Firma Farbtoner. „Gleichzeitig bedeutet es für uns einen Anspruch. Unsere Mitarbeiter können ihre Arbeitszeiten zum Beispiel selbst gestalten.“ Ein anderes Beispiel der Familienfreundlichkeit des Betriebs: Zu allen Firmenfeiern werden die Familienmitglieder eingeladen. Die Außendarstellung verbessern will die Tagespflege „Haus Eckermann“ des DRK mit dem FaMi-Siegel. „Außerdem wollen wir versuchen, weitere Einrichtungen des DRK für das Siegel zu interessieren“, so Elfi Fois. „Wir müssen Fachkräften schließlich etwas bieten und sind froh über die Unterstützung durch die Initiatoren des FaMi-Siegels.“ Denn das Organisationsteam wertet nicht nur die ausgefüllten Fragebögen aus, sondern sie geben auch Tipps und Anregungen. Ole Bernatzki vom Ambulanten Hauspflege Dienst ist überzeugt, durch das Siegel bereits Mitarbeiter gewonnen zu haben. „Sie haben im Vorstellungsgespräch nach unseren Maßnahmen gefragt. Sie haben uns konkret ausgewählt. Das hält unsere Fluktuation niedrig.“ Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) bedeutet das FaMi-Siegel in erster Linie, „die Faktoren guter Arbeit zu stärken“, wie Dr. Matthias Richter-Steinke betonte. „Ziel wäre, dass es immer mehr werden.“ Derzeit zählt die Initiative mehr als 70 Träger in der Region. Erst seit kurzem gehört die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg dazu. „Das Siegel bedeutet für uns eine Verpflichtung“, sagte Jacqueline Huwald. „Es hat einen wertvollen Prozess losgetreten.“ Ebenfalls neu im Bund ist die Firma Bruno Bock Chemische Fabrik. „Wir versprechen uns eine Systematisierung“, sagte Dirk Hartung. „Das Siegel steht in der sozial ausgerichteten Tradition unseres Firmengründers. Im Labor zum Beispiel gibt es überhaupt keine einheitlichen Arbeitszeiten mehr. Wenn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht gelingt, liegt viel Potenzial brach. Und das in einer Situation, in der es immer schwieriger wird, gute Leute zu bekommen.“